Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordination - Seit 1998 Gesetz auf deutschen Baustellen!

Da dieses Themengebiet relativ neu im Zusammenhang mit der Erstellung von Gebäuden ist möchte ich hier die Gelegenheit nutzen, dieses Thema ausführlicher zu behandeln.

Im Zusammenhang mit Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordination ergeben sich für den Bauherren folgende grundsätzliche Fragen:

1. Warum gibt es überhaupt Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordinatoren?
2. Wann ist es für mein Bauvorhaben notwendig einen Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordinator zu bestellen?
3. Was sind die Aufgaben eines Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordinators?
4. Worin liegt der Nutzen für den Bauherrn einen Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordinator zu bestellen?

Diese Fragen möchte ich im Folgende kurz beantworten:

Warum gibt es überhaupt Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordinator?

Das Berufsbild des Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordinators (im Folgenden kurz SiGeKo) wurde geschaffen, weil eine ständige Zunahme der Arbeitsunfälle auf Baustellen zu verzeichnen ist. So ist in Deutschland der Arbeitsplatz Baustelle der gefährlichste Arbeitsplatz überhaupt.
Da sich die Ursachen bei einem hohen Anteil der Arbeitsunfälle bis in die Planungsphase der Bauvorhaben zurück verfolgen lassen, wurde 1998 die Baustellenverordnung in deutsches Recht umgesetzt.
In der Baustellenverordnung wurde festgelegt, dass bei Baustellen unter bestimmten Voraussetzungen der Bauherr einen SiGeKo für sein Bauvorhaben bestellen muss, der als Sachverständiger in Fragen des Sicherheits- und Gesundheitsschutzes bereits in der Planungsphase den am Bau beteiligten beratend zur Seite steht.

Wann ist es für einen Bauherrn notwendig einen Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordinator zu bestellen?

Der Bauherr muss gemäß Baustellenverordnung einen SiGeKo für sein Bauvorhaben benennen, wenn absehbar ist, dass voraussichtlich mehrere Unternehmen an seinem Bauprojekt beteiligt sind. Wenn außerdem absehbar ist, dass während der Bauphase Arbeiten anfallen, die besondere Gefährdungen, wie Absturz, Verschüttung, Ertrinken, Umgang mit Gefahrstoffen (Asbest, kontaminierte Böden usw.) mit sich bringen, oder wenn absehbar ist, dass der Umfang der Arbeiten mehr als 500 Personentage beträgt, so hat dann der Bauherr dafür zu sorgen, dass ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan (kurz SiGe-Plan) erstellt wird.
Außerdem muss das Bauvorhaben beim zuständigen Staatlichen Amt für Arbeitsschutz mindestens 14 Tage vor Beginn der Arbeiten angekündigt werden.
Zusätzlich muss eine Unterlage für spätere Arbeiten am Bauwerk erstellt werden.
Näher Erläuterungen zur erforderlichen Bestellung eines SiGeKos gemäß Baustellenverordnung entnehmen Sie bitte der nachfolgenden Tabelle.

Baustellenbedingungen
Berücksichtigung allg. Grundsätze nach §4 ArbSchG
bei der Planung
Vorankündigung erstellen
Koordinator beauftragen
SiGe-Plan erstellen
Unterlage
(§3 Abs.2 Nr.3) erstellen
Arbeitnehmer
Umfang und Art der Arbeiten
eines Arbeitgebers kleiner 31 Arbeitstage und 21 Beschäftigte oder
501 Personentage
ja
nein
nein
nein
nein
eines Arbeitgebers kleiner 31 Arbeitstage und 21 Beschäftigte oder
501 Personentage und gefährliche Arbeiten
ja
nein
nein
nein
nein
eines Arbeitgebers größer 30 Arbeitstage und 20 Beschäftigte oder
500 Personentage
ja
ja
nein
nein
nein
mehrerer Arbeitgeber kleiner 31 Arbeitstage und 21 Beschäftigte oder
501 Personentage
ja
nein
ja
nein
ja
mehrerer Arbeitgeber kleiner 31 Arbeitstage und 21 Beschäftigte oder
501 Personentage
jedoch gefährliche Arbeiten
ja
nein
ja
ja
ja
mehrerer Arbeitgeber größer 30 Arbeitstage und 20 Beschäftigte oder
500 Personentage
ja
ja
ja
ja
ja
mehrerer Arbeitgeber größer 30 Arbeitstage und 20 Beschäftigte oder
500 Personentage und gefährliche Arbeiten
ja
ja
ja
ja
ja

Was sind die Aufgaben eines Sicherheits- und Gesundheitsschutz- Koordinators?

  • Analyse der architektonischen, technischen und organisatorischen Planung auf Sicherheits- und Gesundheitsschutzrisiken sowie Unterbreitung von Vorschlägen zur Verminderung entsprechender Risiken und Koordinationsvorschläge der zu ergreifenden Maßnahmen.
  • Anfertigung und Übermittlung der Vorankündigung an das zuständige Staatliche Amt für Arbeitsschutz
  • Anfertigung des Sicherheits- und Gesundheitsschutzplanes für das entsprechende Bauvorhaben
  • Anfertigung der Unterlage für spätere Arbeiten am Bauvorhaben
  • Durchführung der Wirkungskontrollen zur Umsetzung der im Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan erarbeiteten Maßnahmen vor Ort auf der Baustelle während der Ausführungsphase
  • Fortschreiben und aktualisieren des Sicherheits- und Gesundheitsschutzplanes sowie der Unterlage während der Bauausführung

Worin liegt der Nutzen für den Bauherren einen Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordinator für ein Bauvorhaben zu bestellen?

Der Nutzen für den Bauherren bei der Bestellung eines Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordinators liegt neben der Tatsache, dass dies seit 10.06.1998 Gesetz in Deutschland ist und unter Umständen bei Nichtbeachtung zur Stilllegung der Baustelle und Verhängung von Bußgeldern, bei Arbeitsunfällen zur strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Bauherrn führen kann, im wesentlichen in folgenden Punkten:

  • die Gefährdung für alle am Bau beteiligten zu minimieren
  • die Gefährdungen, die von der Baustelle für unbeteiligte Dritte ausgehen zu minimieren
  • Störungen im Bauablauf zu vermeiden
  • die Qualität der geleisteten Arbeiten zu erhöhen
  • letztendlich auch Kosten einzusparen, z.B. durch gemeinsam von mehreren Unternehmen genutzte Sicherheitseinrichtungen


Ich hoffe ich konnte Ihnen in aller Kürze die wichtigsten Fragen zum Thema Sicherheits- und Gesundheitsschutz- Koordination gemäß Baustellenverordnung beantworten.

Bei einer Vielzahl von Objekten, die ich seit 1999 als Sicherheits- und gesundheitsschutz- Koordinator betreut habe, habe ich immer wieder festgestellt, dass es gerade in der heutigen Situation bei steigendem Termindruck und Preiskampf auf den Baustellen sehr wichtig ist, die sicherheitstechnischen Aspekte bei der Erstellung des Bauwerkes nicht zu vernachlässigen. Denn abgesehen vom menschlichen Leid, dass ein Arbeitsunfall für die Betroffenen mit sich bringt, ergeben sich auch weitreichende Konsequenzen für alle am Bau beteiligten einschließlich des Bauherrn.

Ich kann natürlich nicht versprechen, dass ich jeden Arbeitsunfall auf Ihrer Baustelle vermeiden kann, aber ich möchte dafür Sorge tragen, dass auf Ihrer Baustelle die Risiken minimiert werden.